Eindrücke vom wissenschaftlichen Symposium am 9. Juni


Am Tag darauf fand im Wissenschaftszentrum der zweite Teil der Jubiläumsveranstaltungen statt. Nach der Begrüßung durch Professorin Tine Stein gratulierte der Präsident der Christian-Albrechts-Universität, Professor Gerhard Fouquet, zum Geburtstag. Fouquet zeigte sich erfreut über die heutige Situation der Kieler Politikwissenschaft, die eine sehr hohe Nachfrage seitens der Studierenden vorweisen kann und in der seit kurzem alle Professuren des Instituts besetzt sind. Anschließend eröffnete Dr. Wilhelm Knelangen das erste Panel, auf dem Student(inn)en ihre Arbeiten des Lehrforschungsprojektes vorstellten.

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Den Anfang machte Marco Schulz, der sich mit dem Professor Nikolaus Martini beschäftigt hatte und zeigen konnte, dass schon in den Anfangsjahren der Kieler Universität im Rahmen der „philosophia civilis“ politische Themen Lehrinhalt waren. Mit einem Staatswissenschaftler des frühen 20. Jahrhunderts, Wilhelm Hasbach, setzte sich Christian Patz auseinander, der ausgehend von Hasbachs kritischer Haltung zur parlamentarischen Demokratie die provokante Frage stellte, ob man Demokrat sein müsse, um Politikwissenschaftler zu sein. Die umfangreiche Rezeption des Werkes „Gemeinschaft und Gesellschaft“ von Ferdinand Tönnies in den 1920er Jahren am Kieler Institut für Weltwirtschaft und Seeverkehr als Vorläufer einer Politikwissenschaft an der CAU war Thema des Beitrages von Alexander Wierzock. Die Berufung von Michael Freund nach Kiel und Einrichtung des Lehrstuhls für „Wissenschaft und Geschichte der Politik“ beleuchtete Birte Meinschien in ihrem Vortrag. Catharina Nies ging in ihrem Beitrag auf die studentische Besetzung des Instituts für Politikwissenschaft 1969 ein und machte die Differenzen zwischen Michael Freund und der rebellierenden Studentenbewegung deutlich. Die Auseinandersetzungen in der westdeutschen Politikwissenschaft, welche zur Spaltung des Fachverbandes führten, thematisierte Tobias Bartels.

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Den Abschluss bildete Katia Backhaus mit einem Vortrag über das unterschiedliche Wissenschaftsverständnis der Kieler Professoren Werner Kaltefleiter und Wilfried Röhrich. Kommentiert wurden diese Beiträge von Professor Hubertus Buchstein (Universität Greifswald) und Privatdozent Cord Arendes (Universität Heidelberg). Im Rahmen dieses sehr interessanten Panels meldeten sich auch Zeitzeugen zu Wort, um die studentischen Beiträge zu ergänzen. Das zweite Panel befasste sich anschließend mit dem Spannungsverhältnis zwischen Politikwissenschaft und politischer Praxis. Hierzu wurden die Politiker Dr. Hans-Peter Bartels (MdB) und Dr. Axel Bernstein (MdL) eingeladen. Die Politikwissenschaft war durch die Kieler Professoren Joachim Krause und Christian Martin vertreten, die Moderation übernahm Professorin Tine Stein. 

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Deutlich wurde bei dieser Podiumsdiskussion die unterschiedlichen Anforderungen an die Politikwissenschaft in Theorie und Praxis. So forderten Bernstein und Bartels von der Politikwissenschaft klare und relevante Forschungsergebnisse zu den Problemen in Staat und Gesellschaft. Beide verwiesen auf die guten Erfahrungen in „Think-Thanks“ sowie anderen Institutionen, in der Wissenschaft und Politik zusammen arbeiten würden und riefen die angehenden Studierenden dazu auf, sich in politischen Parteien zu engagieren. Professor Martin merkte kritisch an, dass die Praxisbezogenheit der Politikwissenschaft nicht zu Lasten der Grundlagenforschung gehen dürfe.

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Vielmehr müsse die Universität den Raum bieten, frei von Interessen zu forschen. Professor Krause stellte dem ein „pragmatisches“ Verständnis von Politikwissenschaft entgegen, welches Theorie und Praxis verbindet, beispielswiese in Institutionen der Politikberatung. Diese erfrischend offene Diskussion wurde durch zahlreiche Beiträge und Interventionen der anwesenden Gäste bereichert. Professorin Stein beschloss das Symposium mit der Ankündigung, in Zukunft regelmäßig zu Veranstaltungen einzuladen, in denen ein organisierter Austausch zwischen Politikwissenschaft und politischer Praxis stattfinden soll.