Daniel Jesche, M.A.

Abstract: Promotionsvorhaben

Endlichkeit und Freiheit - Die ökologische Wachstumskritik aus wirtschaftsliberaler Perspektive

Die Weltgemeinschaft steht vor neuen Herausforderungen. Fast täglich erreichen uns neue Meldungen über die Zerstörung der Umwelt und die sozialen Folgen unseres Wirtschaftens. Zugleich ringt die Politik mit aller Kraft um eine Wiederherstellung des gewohnten Wachstumspfades, der durch die Wirtschaftskrise in Folge der Pleite von Lehman Brothers 2008, insbesondere in Europa, jäh unterbrochen wurde. Im Zuge dieser Arbeit soll die ökologische Wachstumskritik hinsichtlich ihrer umfassenden Bedeutung als sich entwickelndes Konzept einer neuen Gesellschaftstheorie untersucht und aus dem Blickwinkel des Wirtschaftsliberalismus begutachtet werden - denn es ist der ökonomische Liberalismus, der die für Wachstum verantwortlichen Institutionen zugleich zu einer Frage der persönlichen Freiheit erklärt. Zu diesem Zweck werden die Arbeiten ausgewiesener Wachstumskritiker wie Tim Jackson und Meinhard Miegel auf ein solches normatives Konzept einer neuen Gesellschaftsordnung hin untersucht und sodann aus der Warte des evolutorischen und konstitutionellen Liberalismus Friedrich August von Hayeks und des Ordoliberalismus Walter Euckens kritisch beurteilt. Leitend steht dabei die Frage nach der theoretischen Möglichkeit einer Neuorganisation des Wirtschaftslebens mit Blick auf einen "Wohlstand ohne Wachstum" (Jackson) unter Beibehaltung einer "funktionsfähigen und menschenwürdigen Ordnung" (Eucken) im Sinne des Wirtschaftsliberalismus. Das Dissertationsvorhaben versteht sich als interdisziplinär angelegtes Projekt zwischen Politischer Theorie und (Ressourcen-, Institutionen-) Ökonomik. Die Problemlage wird mithilfe eines repräsentativen Überblicks auf Metaebene über den Forschungsstand zu Rohstoffreichweiten, Bevölkerungsentwicklung und den Auswirkungen des Klimawandels nachgezeichnet. Die Kritik des Wachstums wird vor dem Hintergrund gängiger Wachstumsmodelle der Volkswirtschaftslehre diskutiert. Der normative Teil, bestehend aus einer Synthese der Gesellschaftstheorie der Kritiker und der Gegenüberstellung des normativen Programms des ökonomischen Liberalismus wird unter Berücksichtigung gängiger Methoden der Politischen Theorie bearbeitet. Es wird dabei grundsätzlich davon ausgegangen, das Ideen im Zentrum der Gestaltung geeigneter Institutionen zur Bewältigung der thematisierten Herausforderungen stehen.