Ines Weber, M.A.

Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Politische Theorie

Abstract: Promotionsvorhaben

Sozialismus und Freiheit in der DDR. Alternative Sozialismuskonzeptionen von Robert Havemann und Rudolf Bahro

Vor dem Hintergrund der von Historikern mittlerweile gut erforschten Vergangenheit der DDR ist es erstaunlich, dass eine politiktheoretische Aufarbeitung des sozialistischen deutschen Staates bislang kaum unternommen wurde. Dies ist umso überraschender, vergegenwärtigt man sich die vielen DDR-Oppositionellen und ihre theoretischen Überlegungen eines alternativen Sozialismus'. Das Dissertationsprojekt will diese Lücke schließen helfen, einen Beitrag zur Bestandsaufnahme und Archivierung des politischen Denkens in der DDR leisten und die Sozialismuskonzeptionen zweier bekannter und politiktheoretisch interessanter Dissidenten vergleichend analysieren. Zum einen wird Robert Havemann (1910-1982), zunächst Leiter der Kaiser-Wilhelm-Institute und später Professor für Physikalische Chemie an der Humboldt-Universität, untersucht, der direkt nach dem XX. Parteitag der KPdSU einen neuen Ansatz zwischen sozialistischer Theorie und Praxis vertrat. Als Chemiker wandte er sich entschieden gegen jedwede Einschränkung durch ideologisch-methodische Dogmen innerhalb der Forschung. Diese Forderungen weiteten sich schnell auf andere Bereiche aus. Wenige Monate später plädierte Havemann nicht mehr nur für freie Forschung, sondern auch für freie Meinungsäußerung, Informationsbeschaffung sowie Wahlen. Diese wurden in späteren Jahren verbunden mit Forderungen ökologischer und pazifistischer Natur und einer Modifikation der Marxschen Theorie: Sozialismus war für Havemann sowohl auf revolutionärem als auch auf evolutionärem Wege möglich.

Der zweite zu untersuchende Dissident ist Rudolf Bahro (1935-1997). Angeregt durch die Ereignisse in der Tschechoslowakei 1968 begann sich Bahro intensiv und kritisch mit dem sozialistischen System der DDR zu beschäftigen. Seine im Geheimen verfasste "Alternative" wurde mehrfach ausgezeichnet und insbesondere von westdeutschen Linken, unter ihnen Rudi Dutschke und Herbert Marcuse, vielfach diskutiert. Auch während seiner Zeit in der Bundesrepublik und als Parteimitglied der Grünen setzte sich Bahro für eine Abkehr von Wirtschaftsstrukturen kapitalistischer Logik und eine ökologische Wende ein. Im Gegensatz zum an der Realpolitik orientierten Joschka Fischer vertrat Bahro zunehmend spirituell-religiöse Ansichten. Vor dem Hintergrund der drohenden ökologischen Krise könne die anthropologische Revolution nur innerhalb eines nicht-kapitalistischen Wirtschaftssystems und ohne eine klassische staatliche Gewaltenteilung gelingen. Reale Gleichheit und ein neues Bewusstsein sollten mithilfe des "House of Lords" und unter Einschränkung individueller Selbstbestimmung und legitimer Herrschaft verwirklicht werden – eine sozialistische Alternative, die nicht nur die Grünen mehrheitlich ablehnten, sondern auch Robert Havemann und die Genossen auf dem Sonderparteitag der SED 1989.

Michael Holldorf, M.A.

Mitarbeiter im Arbeitsbereich Politische Theorie

Abstract: Promotionsvorhaben

Rechtsstaat und radikale Demokratie – Kants und Hegels praktische Philosophien als Wurzeln des Habermas'schen Modells deliberativer Politik

In der Einleitung zu Faktizität und Geltung formuliert Jürgen Habermas das Programm seines demokratietheoretischen Hauptwerks, das darin bestehen soll, aus der Ahnung, „daß im Zeichen einer vollständig säkularisierten Politik der Rechtsstaat ohne radikale Demokratie nicht zu haben und nicht zu erhalten ist“, eine Einsicht zu machen.

 Die geplante Dissertation nimmt ihren Ausgangspunkt an einer Reihe kritischer Einwände gegen dieses Programm, deren einigendes Moment darin besteht, die von Habermas in Anspruch genommene Radikalität in Frage zu stellen. Diese kritischen Einwände werden aus einer ideengeschichtlichen Perspektive auf ihre Berechtigung untersucht. Zu diesem Zweck soll die Genese des Habermas‘schen Werks unter besonderer Berücksichtigung der Einflüsse Kantischer und Hegelscher Philosophie nachvollzogen werden. Diese Einflüsse gilt es zu identifizieren und zu gewichten, um im Anschluss an diese Analyse den vermeintlichen Radikalitätsverlust innerhalb der Theorieentwicklung beurteilen zu können. Im Vordergrund stehen hier die Fragen nach der Entwicklung des von Habermas verfolgten „Projekts der Moderne“, verbunden mit Überlegungen zu Kontinuität und Wandel der philosophischen Einflüsse. 

Dr. Christian Meyer-Heidemann

Mitarbeiter im Arbeitsbereich Politische Theorie

Tobias Bartels, M.A.

Mitarbeiter im Arbeitsbereich Politische Theorie

Stefan Ahrens, M.A.

Abstract: Promotionsvorhaben

Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. und das moderne politische Denken - Annäherungen und Differenzen

Der 28. Februar 2013 bedeutete für die katholische Kirche eine tiefe Zäsur: An diesem Tag trat Papst Benedikt XVI. aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt als Bischof von Rom sowie als Pontifex Maximus der gesamten Weltkirche zurück. Dieser erste Rücktritt eines Papstes seit mehreren Jahrhunderten beendete für viele Beobachter vollkommen unerwartet ein knapp achtjähriges Pontifikat, welches mit der Wahl Joseph Kardinal Ratzingers zum 264. Nachfolger des Apostels Petrus auf dem römischen Bischofsstuhl am 19. April 2005 begonnen hatte. Dem früheren Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie aus Deutschland, der seit 1981 als Präfekt der Glaubenskongregation agierte und in diesem Zeitraum zu einem der engsten Mitarbeiter seines unmittelbaren Vorgängers im Petrusamt, Papst Johannes Paul II., avancierte, gelang es innerhalb der annähernd acht Jahre als Inhaber der Cathedra Petri vielerlei theologische Akzente zu setzen und weit über den katholischen Raum hinaus Gehör und Anerkennung zu finden. Gleichzeitig erfuhr Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. auch massive Kritik an seiner Amtsführung und seinen Ansichten, vor allem im Hinblick auf das Politische. So wird Benedikt XVI. vielfach von Kritikern als rigoroser Bekämpfer des säkularen Staates, unbarmherziger Gegner der Werte der Aufklärung sowie als Initiator eines intellektuellen "Rollbacks" hinter die politisch-geistigen Errungenschaften der Moderne betrachtet. Sein Denken wird deshalb oftmals als vollkommen inkompatibel mit dem modernen politischen Denken bezeichnet. Für dieses Promotionsvorhabens soll diese Kritik an Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. zu einer Ausgangsfrage umformuliert werden: Handelt es sich bei Ratzinger/Benedikt um einen unversöhnlichen Gegner des modernen politischen Denkens? Oder gibt es in seinem Denken Raum für Annäherungen, Differenzierungen und Nuancen gegenüber aktuellen Themen, Termini und den Ansichten zeitgenössischer Denker? Aus Anlass seines nunmehr beendeten Pontifikates ist es lohnenswert, eine Bilanz über das Verhältnis des emeritierten Papstes zu eben diesem modernen politischen Denken zu ziehen und aus politiktheoretischer Perspektive sein Denken und Werk kritisch zu untersuchen.

Katia Backhaus, M.A.

Daniel Jesche, M.A.

Abstract: Promotionsvorhaben

Endlichkeit und Freiheit - Die ökologische Wachstumskritik aus wirtschaftsliberaler Perspektive

Die Weltgemeinschaft steht vor neuen Herausforderungen. Fast täglich erreichen uns neue Meldungen über die Zerstörung der Umwelt und die sozialen Folgen unseres Wirtschaftens. Zugleich ringt die Politik mit aller Kraft um eine Wiederherstellung des gewohnten Wachstumspfades, der durch die Wirtschaftskrise in Folge der Pleite von Lehman Brothers 2008, insbesondere in Europa, jäh unterbrochen wurde. Im Zuge dieser Arbeit soll die ökologische Wachstumskritik hinsichtlich ihrer umfassenden Bedeutung als sich entwickelndes Konzept einer neuen Gesellschaftstheorie untersucht und aus dem Blickwinkel des Wirtschaftsliberalismus begutachtet werden - denn es ist der ökonomische Liberalismus, der die für Wachstum verantwortlichen Institutionen zugleich zu einer Frage der persönlichen Freiheit erklärt. Zu diesem Zweck werden die Arbeiten ausgewiesener Wachstumskritiker wie Tim Jackson und Meinhard Miegel auf ein solches normatives Konzept einer neuen Gesellschaftsordnung hin untersucht und sodann aus der Warte des evolutorischen und konstitutionellen Liberalismus Friedrich August von Hayeks und des Ordoliberalismus Walter Euckens kritisch beurteilt. Leitend steht dabei die Frage nach der theoretischen Möglichkeit einer Neuorganisation des Wirtschaftslebens mit Blick auf einen "Wohlstand ohne Wachstum" (Jackson) unter Beibehaltung einer "funktionsfähigen und menschenwürdigen Ordnung" (Eucken) im Sinne des Wirtschaftsliberalismus. Das Dissertationsvorhaben versteht sich als interdisziplinär angelegtes Projekt zwischen Politischer Theorie und (Ressourcen-, Institutionen-) Ökonomik. Die Problemlage wird mithilfe eines repräsentativen Überblicks auf Metaebene über den Forschungsstand zu Rohstoffreichweiten, Bevölkerungsentwicklung und den Auswirkungen des Klimawandels nachgezeichnet. Die Kritik des Wachstums wird vor dem Hintergrund gängiger Wachstumsmodelle der Volkswirtschaftslehre diskutiert. Der normative Teil, bestehend aus einer Synthese der Gesellschaftstheorie der Kritiker und der Gegenüberstellung des normativen Programms des ökonomischen Liberalismus wird unter Berücksichtigung gängiger Methoden der Politischen Theorie bearbeitet. Es wird dabei grundsätzlich davon ausgegangen, das Ideen im Zentrum der Gestaltung geeigneter Institutionen zur Bewältigung der thematisierten Herausforderungen stehen.

Katarina Marcisch

Studentische Hilfskraft