Stefan Ahrens, M.A.

Abstract: Promotionsvorhaben

Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. und das moderne politische Denken - Annäherungen und Differenzen

Der 28. Februar 2013 bedeutete für die katholische Kirche eine tiefe Zäsur: An diesem Tag trat Papst Benedikt XVI. aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt als Bischof von Rom sowie als Pontifex Maximus der gesamten Weltkirche zurück. Dieser erste Rücktritt eines Papstes seit mehreren Jahrhunderten beendete für viele Beobachter vollkommen unerwartet ein knapp achtjähriges Pontifikat, welches mit der Wahl Joseph Kardinal Ratzingers zum 264. Nachfolger des Apostels Petrus auf dem römischen Bischofsstuhl am 19. April 2005 begonnen hatte. Dem früheren Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie aus Deutschland, der seit 1981 als Präfekt der Glaubenskongregation agierte und in diesem Zeitraum zu einem der engsten Mitarbeiter seines unmittelbaren Vorgängers im Petrusamt, Papst Johannes Paul II., avancierte, gelang es innerhalb der annähernd acht Jahre als Inhaber der Cathedra Petri vielerlei theologische Akzente zu setzen und weit über den katholischen Raum hinaus Gehör und Anerkennung zu finden. Gleichzeitig erfuhr Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. auch massive Kritik an seiner Amtsführung und seinen Ansichten, vor allem im Hinblick auf das Politische. So wird Benedikt XVI. vielfach von Kritikern als rigoroser Bekämpfer des säkularen Staates, unbarmherziger Gegner der Werte der Aufklärung sowie als Initiator eines intellektuellen "Rollbacks" hinter die politisch-geistigen Errungenschaften der Moderne betrachtet. Sein Denken wird deshalb oftmals als vollkommen inkompatibel mit dem modernen politischen Denken bezeichnet. Für dieses Promotionsvorhabens soll diese Kritik an Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. zu einer Ausgangsfrage umformuliert werden: Handelt es sich bei Ratzinger/Benedikt um einen unversöhnlichen Gegner des modernen politischen Denkens? Oder gibt es in seinem Denken Raum für Annäherungen, Differenzierungen und Nuancen gegenüber aktuellen Themen, Termini und den Ansichten zeitgenössischer Denker? Aus Anlass seines nunmehr beendeten Pontifikates ist es lohnenswert, eine Bilanz über das Verhältnis des emeritierten Papstes zu eben diesem modernen politischen Denken zu ziehen und aus politiktheoretischer Perspektive sein Denken und Werk kritisch zu untersuchen.