Transformationen und Dynamiken der demokratischen Symbolik

Die Nachwuchsgruppe „Transformationen und Dynamiken der demokratischen Symbolik“ entstand im Rahmen des Projekts „Symbolik der Demokratie. Inszenierung, Repräsentation und die Konstitution des politischen Imaginären“. Im Zentrum stehen folgenden Fragen: Kann man von einer genuin demokratischen Symbolik sprechen? Wenn ja, was sind ihre Hauptmerkmale? Welche Symbolisierungsverfahren und Repräsentationsmodi sind in der Lage, die Veränderbarkeit der demokratischen Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen?

Die Durchsetzung der Idee, dass das Volk der eigentliche Souverän ist, war eine Errungenschaft der revolutionären Prozesse im 18. Jahrhundert und entwickelte sich in der westlichen Kultur schnell zum vorherrschenden Prinzip. Die Formel „government of the people, by the people, for the people” aus der US-amerikanischen Revolution – später auch von Abraham Lincoln bis Barack Obama verwendet – oder das Bekenntnis der französischen Verfassung von 1793 „Die Souveränität ruht im Volk; sie ist einheitlich und unteilbar, unverjährbar und unveräußerlich“, das sich inzwischen in mehreren demokratischen Verfassungen findet, prägen die Demokratie bis heute. Die Erneuerung des politischen Imaginären durch die Volkssouveränität strukturiert auf eine völlig andere Art und Weise die politische Repräsentation der Politik, die politische Inszenierung, die Produktion und Verwendung von Bildern, Ritualen und Symbolen. Dabei stellt sich eine doppelte Frage: Welche Diskurse und Symbole tragen zur Konsolidierung revolutionärer Prozesse bei und begleiten diese, welche Transformationen und Dynamiken erfahren sie bis heute? Wann entsteht und unter welchen Umständen verändert sich die Symbolik der Demokratie grundlegend? Um diese Fragen zu beantworten, werden politische Ideengeschichte, politische Kulturforschung und politische Theorie miteinander kombiniert.

Das Projekt Hannelore Demmers „Die Familie denken im Französischen Vormärz“ befasst sich dabei mit dem Verhältnis zwischen Familienbildern und der Entwicklung der modernen Demokratie Anfang des 19. Jahrhunderts, insbesondere mit dem Fall der Julirevolution von 1830. Im Zentrum steht die symbolische Bedeutung der Familie für die Legitimation der Demokratie. Familie erscheint als Metapher, Bild und Modell für die Darstellung der politischen Ordnung. Welche sind die  Familienbilder, die in den späten 1820er Jahren Eingang in die politischen Schriften, in die Literatur und die Bildkultur fanden und wie verändern sie sich?  Felix Steilens  Projekt “Die Repräsentation historischer Wirklichkeit in der modernen Gesellschaftstheorie“ widmet sich Simmel, Pareto, Durkheim und anderen Klassikern modernen gesellschaftstheoretischen Denkens  - untersucht wird dabei die Präsenz von Erzählstrukturen und die Relevanz geschichtstheoretischer Auffassungen mit Blick auf eine genuin demokratische Symbolik. Geht man davon aus, dass historische Wirklichkeit einen interpretatorischen Ausgangspunkt für Gesellschaftstheorie darstellt, dann lässt sich fragen, wie historische Wirklichkeit in Verbindung mit einer demokratischen Ausprägung von Gesellschaft politische und soziale Theorie  zugleich mitkonstituiert.  

Sie setzt sich zusammen aus Hannelore Demmer und Felix Steilen.

(Nachwuchsgruppe, VolkswagenStiftung) (2012-2015)