Menschenrechte und Verfassung: (B) Menschenrechte, Verfassung und katholische Kirche: der performative Selbstwider-spruch der katholischen Kirche

Die katholische Kirche befindet sich in einem performativen Selbstwiderspruch: auf der einen Seite hat sie sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil umfassend zu der Universalität und Unteilbarkeit der Menschenrechte bekannt, diese auch theologisch begründet, auf der anderen Seite wendet sie das Freiheits- und Gleichheitsprinzip aber nicht für die eigene Sozialgestalt an. Entsprechend eingeprägt ist das Bild der Kirche als das eines exklusiv organisierten, männerdominierten, patriarchalen und auf Gehorsam basierenden Klerikerverbandes. Wie sähe demgegenüber eine Verfassung der katholischen Kirche aus, die die Universalität der Menschenrechte auch auf die eigene institutionelle und rechtliche Struktur bezieht und die auch weitere Governance-Elemente demokratischer Rechtsstaaten übernähme, ohne zugleich ihr Proprium als Glaubensgemeinschaft aufzugeben? Der Zugang von Frauen zum Weiheamt, die Lockerung des Zölibats, eine andere machtpolitische und diskursive Stellung von Laien und der Ortskirche – diesen und weiteren Aspekten gehe ich gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus der Theologie und der Rechtswissenschaft nach. Die ersten Ergebnisse der Diskussionen erscheinen demnächst im Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften. Weitere Workshops zur Frage einer konstitutionellen Reform der katholischen Kirche sind für das nächste Jahr verabredet (Koordinatorin Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins, Universität Münster/Exzellenzcluster Politik und Religion). Ich möchte mich hierbei insbesondere dem Problem des Ausschlusses von Frauen vom Weiheamt und von den Entscheidungsinstitutionen der Kirche zuwenden. Ich vertiefe hier meine bereits publizierte Analyse der Verfassungsstruktur der katholischen Kirche.